Nordrhein-westfälischer Landesjägertag in Münster

Viel Lob und viele Herausforderungen für die Jäger

Münster -

Es ist ruhiger geworden in den vergangenen Jahren. Es gibt Beifall für die Ministerin, keine Proteste vor der Halle Münsterland, viele Stände von Fachverbänden – der Landesjägertag am Samstag läuft rein äußerlich in ruhigen Bahnen ab. Doch die Probleme sind groß, global fast.

Von Frank Polke

Den ersten Auftritt hat die nordrhein-westfälische Landwirtschaftsministerin Ursula Heinen-Esser. Die CDU-Politikerin aus Köln hat – anders als ihr Vor-Vorgänger Johannes Remmel (Grüne) – ein Heimspiel vor den 800 Jägerinnen und Jägern. Und Heinen-Esser findet auch an diesem Samstag in der Halle Münsterland gleich zu Beginn ihrer Rede den richtigen Ton. „Sie leisten mit ihrer Arbeit, mit ihrem Einsatz einen wertvollen Beitrag zum Schutz und dem Erhalt der Natur“, sagt sie unter dem Beifall der Delegierten. Neben der Jagd und dem Schutz vor allem der Wälder nennt die Ministerin auch die zahlreichen Waldschulen, die sich vor allem an die jüngere Generation richten. „Diese Waldschulen zeigen vor allem Kindern und Jugendlichen aus den Großstädten die Grundlagen unserer natürlichen Existenz, unseres Lebens.“

Foto: Oliver Werner

Aber natürlich sind lobende Worte nicht die einzigen Pluspunkte, die die CDU-FDP-Landesregierung bei den Jägern seit einem Jahr sammeln konnte. „Wir haben unsere Zusage aus dem Koalitionsvertrag eingehalten und das Landesjagdgesetz wieder in Ordnung gebracht und damit den rechtlichen Rahmen gesetzt, dass Jagd in Nordrhein-Westfalen wieder eine Zukunft hat.“ Donnernder Beifall, auch dann, als Heinen-Esser ihrer Vorgängerin Christina Schulze-Föcking für die Vorbereitung der Gesetzesnovelle dankt, mit der zahlreiche Einschränkungen für Jäger und die Jagd wieder aufgehoben wurden. „Da war im Moment meiner Amtsübernahme alles vorbereitet, das Gesetz war in Grundzügen fertig. Das war super.“

 

Die Ministerin spricht aber auch über die unglaublichen Herausforderungen vor allem durch die Afrikanische Schweinepest, die neben der wirtschaftlichen Tierhaltung in Westfalen auch die Jagd in Deutschland existenziell bedroht. Dagegen sieht sie in der öffentlichen Debatte über den Wolf ein wenig mediale Hysterie am Werk. „Die Zeit, die ich mit diesem Thema verbracht habe, steht in keinem Verhältnis zu dem geringen Auftreten des Wolfs bei uns in Nordrhein-Westfalen.“

 

Klare Position zum Thema Wolf

Das Thema Wolf – hier besteht doch ein Dissens zur Position der Jäger. „Nach realistischen Schätzungen leben bereits jetzt 1000 bis 1300 Wölfe in Deutschland. In Berlin-Mitte lässt sich die Seelenlage der geplagten Landbewohner vielleicht schwer erfassen, aber in den Dörfern geht die Angst um“, wirbt der Landesvorsitzende des Jägerverbandes, Ralph Müller-Schallenberg, um weitere gesetzliche Vorgaben vor allem durch den Bundesgesetzgeber. Dazu sollen Wolfsausschluss-Areale gehören, in denen territoriale Rudel nicht geduldet werden. „Wir brauchen den Einstieg in ein geregeltes Management für den Wolf“, so Müller-Schallenberg. Auch bei der umstrittenen Jagdabgabe – das Oberverwaltungsgericht in Münster hatte diese für ungültig erklärt – gibt es Diskussionen. „Es bleibt dabei: Jägergeld in Jägerhand“, sagt der Landesjagdverbandsvorsitzende und kündigt Verhandlungen sowohl im Verband als auch mit den politisch Verantwortlichen darüber an, wie die Übernahme der Aufgaben bezahlt werden soll.

 

Ministerin liebäugelt mit Jagdschein

Heinen-Esser blickt in ihrer mitunter launigen Rede, in der sie ankündigt, irgendwann einmal den Jagdschein machen zu wollen, aber nicht nur zurück, sondern auch nach vorn. „Das Bundesjagdgesetz soll weiterentwickelt werden und damit den Rahmen vorgeben für die Länder. Uneinheitliche und 16 verschiedene Ländergesetze geben die Möglichkeit, damit zulasten der Jäger auch politische Willkür zu betreiben“, denkt Heinen-Esser noch einmal ans unglückliche Gesetz des ehemaligen Grünen-Ministers Remmels.

 

Kommentar: Die Probleme sind groß

von Frank Polke

Die Stimmung auf dem Landesjägertag war positiv. Kein Vergleich zu den Auseinandersetzungen, die die Jägerinnen und Jäger mit dem grünen Umweltminister Johannes Remmel hatten, der es in seiner Amtszeit schaffte, Tausende Grünröcke  zu einer Demonstration auf die Rheinbrücke nach Düsseldorf zu bringen. Für viele Jäger die erste Demonstration in ihrem Leben, die aber zeigte, wie tief damals die Gräben zwischen Landespolitik und den immerhin 90.000 Jägern in NRW waren. Das ist Geschichte – und das ist auch gut so. Denn die Probleme für die Natur, für Tiere und auch für die Jagden sind groß. Die Afrikanische Schweinepest vernichtet gerade Millionen Tiere – im Moment noch in Asien. Doch das Auftreten der ASP in Belgien und das Näherrücken von Osten zeigt die unheimliche Gefahr, die die Tierseuche mit sich bringt. Ein ideologischer Krieg zwischen Jägern und selbsternannten Umweltschützern der Marke Remmel kann sich keiner leisten. Dies wird auch mit dem Blick aufs emotionsgeladene Thema Wolf deutlich. Noch ist NRW nicht Wolfsland Nummer eins, doch schon heute ist es der Politik aufgegeben, verlässliche Regeln aufzustellen, dass dieses Thema nicht unbeherrschbare Ängste und Sorgen auch im Münsterland weckt.

(Quelle: Westfälische Nachrichten 20.05.2019)

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