Landesjägerschaft fordert Aufnahme des heimischen Bestands ins Bundesjagdgesetz

„Wolf nicht aus den Augen lassen“


Münster - In der Debatte um den Umgang mit den wieder in Deutschland heimischen Wölfen plädieren die Jäger dafür, dass die Tiere ins Bundesjagdgesetz aufgenommen werden. Der Bestand sei inzwischen so groß, dass man den Wolf nicht aus den Augen lassen dürfe, sagt der Präsident des Landesjagdverbandes, Ralph Müller-Schallenberg, im Interview mit unserem Korrespondenten Hilmar Riemenschneider. Das wird eines der Themen beim Landesjägertag, der an diesem Samstag in Münster stattfindet.


Herr Müller-Schallenberg, die schwarz-gelbe Koalition hat im Frühjahr das rot-grüne Jagdgesetz wieder zurückgedreht. Fühlen sich die Jäger jetzt wieder politisch resozialisiert? 


Müller-Schallenberg: Zunächst ist mir wichtig, dass die schwarz-gelbe Koalition das Jagdgesetz nicht zurückgedreht hat. Sondern sie hat es fortentwickelt. Es wurden nur die Punkte zurück­gedreht, die aus sachlicher und fachlicher Sicht nicht vertretbar waren. Geblieben sind beispielsweise die Jagdverbote im Umfeld von Grünbrücken oder die Anzeigepflicht für Kfz-Unfälle mit Wildschaden, weil es vernünftige Regelungen waren. Andere unvernünftige Vorgaben, von denen manche die Jägerschaft einfach schwächen sollten, sind korrigiert worden. Mit dieser Korrektur können wir sehr gut leben, obwohl noch nicht alle unsere Vorstellungen erfüllt sind.


Einige Forderungen des Landesjagdverbandes sind noch unerfüllt geblieben – eine davon ist, den Wolf in die Liste der jagdbaren Arten aufzunehmen . . . 


Müller-Schallenberg: Das ist so nicht richtig. Wir haben die Aufnahme des Wolfs als jagdbare Art ins Landesjagdgesetz für nicht opportun erachtet. Wir haben mit dem Wolf keine großen Probleme, NRW ist noch nicht Wolfsland – auch wenn es ein, zwei Tiere hier gibt. Als urbanes Land haben wir nicht die Probleme, wie sie in Brandenburg oder Sachsen zu beobachten sind. Wir sind aber dafür, dass der Wolf ins Bundesjagdgesetz gehört. Das heißt dann nicht, dass er auch automatisch bejagt werden darf. Aber es muss klar sein: Eine Tierart, die eine Raubwildart ist und keinen natürlichen Feind hat, deren Bestand um 30 Prozent pro Jahr wächst und inzwischen etwa 1300 Stück in Deutschland erreicht hat, hat nach EU-Regeln den günstigen Erhaltungszustand erreicht. Und die Probleme, die für Schäfer oder Pferdehalter entstehen, darf man nicht aus den Augen verlieren. Es darf keine Überpopulation geben, und es muss wolfs­freie Zonen geben. Das muss reguliert werden – und zwar durch die aus- und fortgebildeten Jäger.


Wo steht die Debatte dazu? 


Müller-Schallenberg: Umweltministerin Schulze von der SPD und Landwirtschaftsministerin Klöckner von der CDU können sich da nicht einigen. Deshalb hat Angela Merkel es zur Chefsache erklärt. Ich bin mal gespannt, wie die Lösung aussieht. Für die östlichen Bundesländer ist das ein Riesenproblem und auch ein Wahlkampfthema. Es ist auch hoch emotionalisiert.


Es gab noch offene Punkte wie das Verbot bleihaltiger Munition, die in einer Reform des Bundesjagdrechts geregelt werden sollen. Wo erhoffen Sie sich noch Korrekturen? 


Müller-Schallenberg: Abgesehen vom Wolf fordern wir drei wesentliche Punkte. Erstens plädieren wir für einen bundesweit gültigen Schießübungsnachweis, wie wir das in Nordrhein-Westfalen bereits anstelle des Leistungsnachweises eingeführt haben. Das zweite Thema ist „Weg vom Bleiverbot“: Das Bundesrecht setzt da auf Bleiminimierung, die bleihaltige Munition so lange zulässt, wie mit bleifreier Munition keine saubere Tötungswirkung sichergestellt werden kann. Die Industrie arbeitet daran intensiv. Drittens wollen wir die Jägerausbildung und -prüfung bundesweit vereinheitlichen. Da gibt es in den Ländern noch unterschiedliche Standards.


Waldbesitzer sind in großer Sorge um eine neue Borkenkäfer-Plage. Wie wirkt sich das für die Jäger aus? 


Müller-Schallenberg: Private Waldbesitzer und Jäger arbeiten immer schon Hand in Hand. Es werden jetzt sehr viele Flächen wegen des Borkenkäfers abgeholzt. Und da werden wir die Waldbauern unterstützen. In diesen Bereichen muss dann intensiv gejagt werden, um den natürlichen Aufwuchs neuer Bäume zu ermöglichen. Wir wollen den Verbiss niedrig halten. Es geht um ein ausgewogenes Verhältnis von Wald und Wild.


In der öffentlichen Wahrnehmung ist die Afrikanische Schweinepest (ASP) aus dem Blick geraten. Bislang ist sie noch nicht in Deutschland festgestellt worden. Wie groß ist die Gefahr noch? 


Müller-Schallenberg: Die Gefahr ist sehr groß. Gerade wenn man die Entwicklung in Belgien und Frankreich beobachtet. Mich überrascht, dass ASP im Osten und Westen aufgetreten ist, dass aber hier nichts festgestellt ist. Das ist positiv, aber auch bemerkenswert. Wir sind aber auch sehr aufmerksam und sehr gut vorbereitet. Dafür haben wir eine Wildtier-Seuchenvorsorge-Gesellschaft gegründet, die im Ernstfall bis zu drei Kernregionen – vor allem in Ostwestfalen und Münsterland – einzäunen und von heute auf morgen reagieren kann. Das Thema ist etwas in den Hintergrund geraten. Aber die Gefahr ist groß.


Geht sie eher vom Schwarzwild oder vom Menschen aus? 


Müller-Schallenberg: Die Gefahr geht nur vom Menschen aus, Schwarzwild ist nur der Überträger. Wir können deshalb nur appellieren, dass äußerste Sorgfalt und Aufmerksamkeit bestehen bleibt, damit ASP hier möglichst nicht ausbricht, obwohl die Veterinäre sagen, es ist nur eine Frage der Zeit.

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