Schwarze Bälle gegen das Insekten-Verstummen

Von Ulla Wolanewitz


Nottuln-Darup. Was sich aus Lehm, torffreier Blumenerde und Samen machen lässt? Erstklassige „seedballs“, sprich Samenkugel, die – dem heimischen Erdreich zugeführt – Magariten, Astern, Malven und Kornblumen sprießen lassen. Simon Peletz und Felix Wigger mischten und formten am Donnerstagabend im Hof Schoppmann die kleinen schwarzen Bälle, die die Gäste nach der Veranstaltung als Präsent mit auf den Heimweg bekamen.


Voll besetzt präsentierte sich die Tenne, schließlich wurde hoher Besuch aus Berlin erwartet. Der SPD-Landtagsabgeordnete André Stinka begrüßte hier die Bundesumweltministerin. „Wir arbeiten seit 35 Jahren gut zusammen. Wenn André mich ins Münsterland einlädt, ist es mir eine Verpflichtung und ich komme sehr gerne“, erklärte Svenja Schulze den 120 Gästen.



„Das Verstummen beim Summen“ und das Insektensterben standen im Fokus der Diskussion. Warum es derzeit in aller Munde ist? Die Wahlkampfzeit ist sicherlich ein Grund dafür. Den Stachel dafür gesetzt hat im vergangenen Jahr vielmehr die Krefelder Studie des Entomologischen Vereins, die weltweit großes Aufsehen erregte und eine Menge ins Rollen brachte. Beispielsweise das Volksbegehren in Bayern bei dem 1,8 Millionen für den Insektenschutz unterschrieben haben. „Die Frage ist: Was können wir, jeder Einzelne tun?“, so die Aufforderung von Stinka, der nach seinem Besuch im Naturschutzzentrum des Kreises Coesfeld 2018 so nachhaltig beeindruckt war, dass er diese Veranstaltung hier verortete. „Wildwuchs zulassen, Fruchtfolge berücksichtigen und Pflanzenvermehrungen anvisieren, sind durchaus Alternativen, um Gärten in Richtung Biodiversität anders zu gestalten“, so André Stinka, der im vorigen Jahr in einer Aktion den bienenfreundlichsten Garten im Kreis Coesfeld suchte, um ihn auszuzeichnen.


„Von 56 Bienenarten stehen die Hälfte auf der roten Liste“, so eine der besorgniserregenden Bilanzen, die die Ministerin aufzeigte. Nein, es ging hier nicht um die Verurteilung der modernen Landwirtschaft. Ganz im Gegenteil. Svenja Schulze brach ganz klar eine Lanze für die Landwirtschaft, die im Bundesgebiet eine Hälfte der Fläche bewirtschaftet und „sicherlich gerne mehr für den Naturschutz tun würde, aber von der EU-Politik dafür zu wenig Unterstützung erfährt. Es müssen vielmehr finanzielle Anreize geschaffen werden“, erklärte die Ministerin und machte deutlich wie wichtig die Teilnehme an der Europawahl ist. „Die demokratischen Kräfte in der EU sind für den Artenschutz.“




Für eine geschickt und fachlich kompetente Führung der Diskussion sorgte Ilona Steffen, Referentin für Natur und Umwelt beim Nabu-NRW. Im Podium saß zudem Prof. Dr. Tillmann Buttschardt vom Institut für Landschaftsökologie an der WWU Münster, der betonte: „Wir müssen mehr Verständnis dafür entwickeln, dass unser Planet räumlich begrenzt ist und kein unendliches Wachstum zulässt“.




Ein Landwirt erklärte, dass er just fünf Kilometer Blühstreifen an den Mais gesät habe und sich in den letzten drei Jahren sehr an Schmetterlingen und Insekten erfreut habe, aber „die zeitaufwändige Antragstellung verleidet einem das sehr. Das muss unbedingt vereinfacht werden.“


Dr. Wilhelm Kraneburg machte deutlich, dass Feldlerche und Kiebitz unter anderem hier nicht mehr ankommen, weil in Frankreich und Italien Abfanggerät installiert seien. „Das Problem muss im europäischen Zusammenhang gelöst werden!“, so als Sprecher des Nabu Kreis Coesfeld.

Quelle

 

Verlag

: Allgemeine Zeitung

Publikation

: Allgemeine Zeitung

Ausgabe

: Nr.103

Datum

: Samstag, den 04. Mai 2019

Seite

: Nr.24

 
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