Deutsche Reiterliche Vereinigung fordert mehr Schutz für Pferde auf Weidegebieten

„Wir wissen, wo die Wölfe sind“


-Dorle Neumann- Münster - Die Wölfe sind zurückgekehrt – kaum ein Thema hat in der Landwirtschaft die Gemüter in den vergangenen Monaten so erhitzt. Während die Schafshalter an vorderster Front gegen eine ungehinderte Ausbreitung und für die kontrollierte Bejagung eintreten, halten sich die Pferdezüchter und -halter mit ihrer Kritik noch im Hintergrund – auch in der Pferderegion Westfalen.

Dafür gibt es zumindest aus Sicht von Bernhard Feßler, dem Leiter des Hauptstadtbüros der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN) einen triftigen Grund: „In Nordrhein-Westfalen hat es noch keinen Wolfsangriff auf Pferde gegeben“, stellt er im Gespräch mit unserer Zeitung fest. Bundesweit seien seit dem 7. April 2016 aber 46 Fälle dokumentiert – „aber zur Wahrheit gehört auch, dass davon nur fünf als Wolfsattacken anerkannt sind“. In den anderen Fällen handele es sich wohl eher um Angriffe durch Keiler, Füchse oder wildernde Hunde. Am 5. Juli 2017 sei in Warendorf ein Pony verletzt worden, aber man wisse bis heute nicht, ob dies ein Wolf gewesen sei. Die Beweislage sei oft schwierig, da Tierärzte selbstverständlich sofort ein verletztes Tier behandelten – oft mit Desinfektionsmitteln. „Jedes Desinfektionsmittel ist der Tod der Beweismittel“, gibt er zu bedenken.


Nun stellen sich viele Pferdebesitzer gerade vor Beginn der Weidesaison die Frage, ob es noch klug ist, die Vierbeiner – wie vielerorts im Sommer üblich – nachts auf die Weide zu stellen. Das Hauptproblem für die Züchter und Halter sei nicht, so erläutert Feßler, dass ein Pferd oder Pony verletzt werde, da es viel wehrhaftere Tiere als etwa Schafe seien. Aber die Vierbeiner könnten in Panik geraten, wenn sie einen Wolf wittern, dann durch Weidezäune brechen, auf Straßen laufen und für Mensch und Tier tödliche Unfälle verursachen.


Diese Sorge bewegt nach Ansicht Feßlers vor allem die Besitzer von wenigen Pferden. „Ein Ludger Beerbaum oder ein Paul Schockemöhle schützt seine Herde professionell“, ist er sich sicher. Doch was kann der kleine private Pferdehalter tun?


Feßler gehört zu den Autoren einer „Guideline“, einer Verhaltensempfehlung für Gemeinden, in der Hinweise zu diesem Thema gegeben werden. Feßler sieht einen wichtigen Ansatzpunkt: „Die Wölfe sind zum größten Teil gekennzeichnet. Wir wissen ja, wo sie sind.“

 


Die FN setzt sich im Übrigen für eine Veränderung im Bundesnaturschutzgesetz ein, in dem der Wolf noch höchstmöglichen Schutz genießt. Die FN begrüßt deshalb jüngste Vorstöße, eine punktuelle Bejagung des Wolfes bei Bedarf zuzulassen. Anlässlich der Amtschefkonferenz der Agrarministerien Anfang 2019 forderte das Aktionsbündnis Forum Natur (AFN), zu dessen Mitgliedern auch die FN zählt, eine Bejagung des Wolfes nach dem Vorbild der skandinavischen Schutzjagd. Grundlage dafür soll eine sogenannte wildökologische Raumplanung sein.


Bernhard Feßler berichtet noch, dass er selten so eine schwierige Diskussion erlebt habe wie beim Thema Wolf: „Jeder glaubt, er müsse ihn schützen. Aber jeder glaubt auch, er müsse etwas tun.“


Für ihn ist allerdings jetzt höchste Zeit, auf bundespolitischer Ebene etwas zu tun und eine Abschussquote zu beschließen, damit ein bestimmter Bestand an Wölfen nicht überschritten wird. „Wenn wir eine Grenze von 2000 Tieren erreichen, wird es schwierig – und wir sind kurz davor“, warnt er.

 

Dorle Neumann

AZ vom 10.04.2019

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