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RWJ 10/2019: Editorial

Intensiv und waidgerecht jagen

Nun ist der Sommer nicht nur für die Meteorologen, sondern auch im Kalender vorüber, der Herbst ist heraufgezogen – und damit die Hochsaison der Jagd. Sofort mit Ende der Sommerferien haben Präsidium und Vorstand des Landesjagdverbandes getagt.

Ralph Müller-Schallenberg

Präsident des Landesjagdverbandes NRW



Nach dem Kampf gegen die Verbreitung der Afrikanischen Schweinepest steht für uns Jäger infolge des zweiten trockenen Sommers nacheinander ein neues Thema ganz oben auf der Tagesordnung – die Waldbesitzer in Nordrhein-Westfalen stehen erneut vor Herausforderungen, die manche Betriebe an ihre Existenzgrenze treiben. Die Sicherung und Wiederherstellung des Waldes bedarf der gemeinsamen Anstrengung aller beteiligten Kräfte. In dieser Situation hat der Landesjagdverband Nordrhein-Westfalen seine 64 000 Mitglieder schon Anfang September zur Solidarität mit den Waldbauern aufgerufen und jetzt auch seine Positionen zum Wald-Wild-Thema bestimmt. Wir jagen intensiv, aber tierschutzkonform und waidgerecht. Wir Jäger sind schon gesetzlich verpflichtet, für einen gesunden, artenreichen und angemessenen Wildbestand zu sorgen. Wir stehen für „Wald und Wild – Wald vor Wild“ lehnen wir ebenso ab wie einen Totalabschuss oder quasi ganzjährige Jagdzeiten.
 
Angesichts des Ausfalls ganzer Waldbestände und der jetzt anstehenden Wiederaufforstungsarbeiten muss der Wildbestand reduziert werden. Dass wir dies mit den geltenden Jagdzeiten schaffen, haben wir bereits nach dem Jahrhundertsturm Kyrill bewiesen. Über weitere praktikable Lösungen lassen wir immer mit uns reden. Das rechtliche Instrumentarium, ein angemessenes Verhältnis von Wald und Wild zu regeln, ist jetzt schon ausreichend vorhanden. Diskutiert haben wir in den Führungsgremien auch den Einsatz von Nachtzielgeräten. Dabei hat sich eine deutliche Mehrheit abgezeichnet, die den Einsatz dieser Zieltechnik vor allem aus Gründen der Waidgerechtigkeit ablehnt. Gut kommen wir auch bei der Umschaltung der bisherigen staatlichen Jagdabgabe auf den LJV-Jagdbeitrag voran, um auch künftig die gemeinsamen jagdlichen Aufgaben solidarisch zu bewältigen.
 
Nach aktuellem Stand werden wir noch in diesem Jahr ein Konzept vorlegen können, die endgültige Entscheidung fällt dann auf der LJV-Mitgliederversammlung am 22. August 2020 in Düsseldorf. Wenn wir jetzt im Herbst in Wald und Flur auf den Gesellschaftsjagden unterwegs sind, präsentieren wir die Jagd öffentlich. Wir sollten dabei besonders im Blick haben, stets gute Botschafter der Jagd zu sein. Allen Mitgliedern des Landesjagdverbandes wünsche ich guten Anblick, Freude, Erfolg und Waidmannsheil.

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