Angela Merkel und die Wölfe


Oberbürgermeister Markus Lewe hat es beim Landesjägertag in Münster auf den Punkt gebracht: „Sie haben der Politik gezeigt, dass sich die Leute nicht bevormunden lassen.“ Damit traf er das Kernproblem des alten Landesjagdgesetzes.

Das neue Landesjagdgesetz ist nun vom Kopf auf die Füße gestellt worden. Es respektiert Land und Leute. Eigenverantwortung wird gestärkt statt Bevormundung. Da hatte es Umweltministerin Ursula Heinen-Esser nicht schwer, beim Landesjägertag zu punkten. Ihrem Rat, Kooperation statt Konfrontation zu suchen, können wir auch künftig folgen. Der Landesjagdverband hat mit seinen Kreisjägerschaften, Hegeringen, den vielen Mitgliedern und den Partnern des ländlichen Raumes eine Menge erreicht. Aber die Lorbeeren, die uns auch auf dem Landesjägertag geflochten wurden, tragen wir nicht an der verkehrten Stelle, um uns darauf auszuruhen.
 
Die Umstellung von der staatlichen Jagdabgabe zum LJV-Jagdbeitrag („Jägergeld in Jägerhand!“), die auch in Nordrhein-Westfalen zunehmenden Probleme mit dem Wolf, die Verbreitung der Afrikanischen Schweinepest oder die Reform des Bundesjagdgesetzes – Themen und Arbeit gibt es für uns mehr als genug. Beim Landesjägertag im Mai in Münster hat man den Zusammenhalt und die Zugkraft unseres Verbandes gespürt. Dafür bin ich ebenso dankbar wie für die große Teilnahme. Münster zieht immer. Aber über 800 Jägerinnen und Jäger beim Landesjägertag sind eine beachtliche Größe. Das gilt umso mehr, als der Drops des neuen Landesjagdgesetzes bereits gelutscht war. Die Resonanz in den Medien war ebenso erfreulich. Nicht nur dort ist der Wolf zum Großthema geworden. Nach realistischen Schätzungen leben bereits jetzt 1 000 bis 1 300 Wölfe in Deutschland. Es muss in Deutschland künftig Wolfausschluss-Areale geben, in denen territoriale Rudel nicht geduldet werden.
 
Die Sorgen und Ängste der ländlichen Bevölkerung müssen endlich ernst genommen werden. In Berlin-Mitte lässt sich die Seelenlage der geplagten Landbewohner vielleicht schwer erfassen. Dort feiern sich manche, aber in den Dörfern geht die Angst um. Über 470 Mal haben Wölfe allein im Jahr 2017 Nutztiere angegriffen. Mehr als 1 660 Schafe, Ziegen, Pferde und Rinder kamen auf oft grauenhafte Weise ums Leben. Das sind 55 Prozent mehr als im Jahr davor, die Zahl der offiziell erfassten Angriffe stieg sogar um zwei Drittel. Auch in Nordrhein-Westfalen verschärft sich die Konfliktlage. In unserem Bundesland sind 2018 mehr als 50 Nutztiere von Wölfen getötet worden. „Willkommen Wolf“ und Weidetierhaltung – das passt in weiten Gegenden Deutschlands nicht zusammen.
 
Da sich die beteiligten Ministerinnen in der Bundesregierung aus dem Landwirtschafts- und dem Umweltressort bisher nicht auf Lösungen einigen konnten, hat die Bundeskanzlerin die Entscheidung nun an sich gezogen und zur Chefsache gemacht. Angela Merkel und die Wölfe – allein daran sieht man die Bedeutung des Themas, das in den ostdeutschen Bundesländern bereits als wahlentscheidend gilt.

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